UN Women

Am 2. Juli 2010 beschloss die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Schaffung einer neuen Einheit für Gleichberechtigung und Stärkung der Rechte von Frauen. Im September 2010 ernannte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon die ehemalige chilenische Präsidentin Untergeneralsekretärin Michelle Bachelet, zur Exekutivdirektorin der neuen Organisation. „Mutig und ehrgeizig werden wir eine praxistaugliche Organisation schaffen, die dauerhaft für Veränderung im Leben der Frauen sorgen wird“, so Bachelet bei ihrer Bestellung.

Die Organisation von UN Women

Die neue Einheit UN WOMEN führt die vier mit Frauenfragen befassten Organe der Vereinten Nationen zusammen:

• DAW (Division for the Advancement of Women – Frauenrechtsabteilung der VN), der Sekretariatseinheit, die überwiegend für die CSW (Frauenstatuskommission) zuständig ist;

• OSAGI (Office of the Special Advisor on Gender Issues and Advancement of Women - Büro der Sonderberaterin des Generalsekretärs im Bereich Gender und Frauen);

• UNIFEM (United Nations Development Fund for Women - Entwicklungsfond der VN für Frauen), der Programme und Projekte in Entwicklungsländern und in Ost- und Südosteuropa durchführt; 

• INSTRAW (International Training and Research Institute for the Advancement of Women), das für die genderspezifische Erhebung von Daten und die Durchführung von Trainings zuständig ist.

UN Women ist ein Unterorgan der Generalversammlung (wie z.B. UNDP, UNICEF, UNFPA). Da die Exekutivsekretärin im Rang einer Untergeneralsekretärin steht, hat sie direkten Zugang zum VN Generalsekretär und wird auch in allen höchsten Entscheidungsgremien der VN vertreten sein. Dadurch soll eine bessere Koordination aller Gender-Themen im gesamten Bereich der VN Organisationen gewährleistet und das schon lange angestrebte, aber bisher noch nicht verwirklichte, Gender mainstreaming auf allen Ebenen umgesetzt werden.

Das Mandat von UN Women

Das Mandat von UN Women fasst die Mandate der 4 bisherigen einzelnen Einheiten zusammen. Neben den Aufgaben der zwei Sekretariatseinheiten (DAW und OSAGI, die die Serviceeinheiten für die Frauenstatuskommission bzw. den Generalsekretär sind, ist die Übernahme des Mandats zur Umsetzung der Gleichstellung von Männern und Frauen auf allen Ebenen der Entwicklung, sowie bei Friedens- und Sicherheitsthemen zu sorgen, von besonderer Bedeutung. Die Staaten sollen unterstützt werden, um gendergerechte Gesetze einzuführen und auf nationaler Ebene Gleichstellung zu fördern.

„Einer der zentralen Punkte ist daher, die vorhandenen Kapazitäten im Bereich der Frauenarbeit auf Länderebene zu stärken, um die Arbeit vor Ort zu verbessern“, so Bachelet. „Wir werden täglich näher an die Realität dieser Frauen herankommen, um zu wissen, welche Sorgen sie haben und was sie wirklich benötigen.“

Darüber hinaus ist UN Women zuständig für die Förderung, Koordination und Hilfestellung für die Arbeit der Organisationen des UN Systems im Genderbereich. UN Women führt den Vorsitz im Inter-Agency Network on Women and Gender Equality und kann so die Anstrengungen von 25 UN Organisationen zur Förderung von Gleichberechtigung im gesamten UN System unterstützen.

Fünf Prinzipien sind daher für UN Women von Bedeutung:

• Unterstützung bieten, die sich an den Vorstellungen der nationalen Partner orientiert, um die internationalen Abkommen und Standards zu implementieren;

• zwischenstaatliche Prozesse fördern, um die Gleichberechtigung mit Normen und Richtlinien zu garantieren;

• Einsatz für die Rechte von Frauen und Mädchen, damit die Geschlechter gleichgestellt werden und Frauen gestärkt werden;

• für stärkere Zusammenarbeit im Bereich von Gender-Fragen im UN System sorgen, um Synergien zu nutzen;

• Wissen und Erfahrung global vermitteln, damit Normen und Richtlinien in die Praxis umgesetzt werden können.

UN Women soll „frischen Wind in die Gender-Arbeit bringen, aber auf den bewährten Ideen und Werten aufbauen“ (Bachelet). Sieben Schwerpunkte stehen dabei im Zentrum der Arbeit von UN Women:

Ein Ende der Gewalt gegen Frauen: Staaten sollen unterstützt werden, entsprechende Gesetze einzuführen, Präventionsmaßnahmen zu setzen und Dienstleistungen sowie Betreuung bereitzustellen, die Frauen und Mädchen schützen – mit der Hilfe von Männern und Buben.

• Frauen und Sicherheit: Frauen spielen eine Schlüsselrolle bei der Konfliktbewältigung sowie in Friedensprozessen und müssen vor sexueller Gewalt geschützt werden.

• Stärkere Partizipation von Frauen: Frauen sollen mit starker Stimme in politischen und gesellschaftlichen Führungspositionen vertreten sein.

• Wirtschaftliches Empowerment für Frauen: Gerade in Zeiten von Wirtschafts- und Umweltkrisen soll das Vermögen von Frauen geschützt und ihre soziale Absicherung garantiert werden.

• Gleichstellung der Geschlechter bei Planung und Budgetierung auf nationaler, lokaler und sektoraler Ebene: UN Women unterstützt die nationale Erstellung von Aktionsplänen, Budgets und Statistiken.

• Umsetzung der Konvention zur Beseitigung jeder Form der Diskriminierung von Frauen (CEDAW). UN Women unterstützt Staaten bei der Ausarbeitung entsprechender nationaler Gesetze.

• Umsetzung der Millennium Entwicklungsziele (MDG): Nicht nur für die Umsetzung des sich spezifisch mit Frauen befassenden dritten Zieles (Reduzierung der Mütter- und Kindersterblichkeit) sondern für die Umsetzung aller acht MDG ist Gleichberechtigung eine notwendige Voraussetzung.

Neben diesen sieben Kernthemen wird UN Women Partner unterstützen, die in den Bereichen HIV/Aids, Migration, Rechtsstaatlichkeit, Umweltzerstörung und Klimawandel, soziale Sicherheit und Gesundheit von Müttern und Kindern arbeiten.

Wie werden diese Prinzipien und Ziele umgesetzt?

Im Juni 2011 wird die strategische Ausrichtung von UN Women bei der jährlichen Sitzung präsentiert. Ein wichtiger Punkt sind dabei die Partnerschaften, die in der Zukunft ausgebaut werden sollen:

• Privatwirtschaft, Stiftungen und Individuen sollen durch ein neues elektronisches Spenden-System und durch Internetkampagnen besser erreicht werden.

• Mit Regierungen und der Zivilgesellschaft soll genauso verstärkt zusammengearbeitet werden wie mit ParlamentarierInnen.

• Die am meisten ausgeschlossenen Gruppen wie HIV positive Frauen, Frauen aus Minderheiten, Frauen mit Behinderungen und mittellose Frauen werden neue Zielgruppen sein.

• Nicht zuletzt wird verstärkt auf die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft, mit Think Tanks und Forschungszentren gesetzt.

Exekutivrat (Executive Board)

Dieses Leitungsgremium für UN Women besteht aus Vertretern von 41 Staaten: 10 aus Afrika, 10 aus Asien, 4 aus Osteuropa, 6 aus Lateinamerika und der Karibik und 5 aus Westeuropa. Dazu kommen noch sechs Vertreter von Geberländern. Der Exekutivrat beschließt auf Vorschlag der Exekutivdirektorin, den Arbeitsplan und die Verteilung des Budgets von UN Women. 

Finanzierung von UN Women

Für das Budget in den ersten Jahren von UN Women waren 500 Millionen US Dollar jährlich angestrebt. Das ist eine Verdoppelung der Finanzmittel, über die die vier in UN Women zusammengeschlossenen Einheiten bisher verfügten. Die Finanzmittel für die Aufgaben, die früher DAW und OSAGI versehen haben und die ca. 8 Mio. US Dollar betragen, werden auch weiterhin aus dem VN Budget zur Verfügung gestellt. Für die Aufgaben, die UNIFEM und INSTRAW erfüllt haben, müssen die Budgetmittel weiterhin durch freiwillige Beiträge der Mitgliedstaaten und durch Sponsoren abgedeckt werden. 95 % der bisherigen freiwilligen Beiträge wurden für UNIFEM verwendet. Eine Verdoppelung der Finanzmittel wird angesichts der Wirtschaftslage und des Sparkurses vieler Staaten nur mit sehr großen Anstrengungen erreicht werden können.

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