02.05.2017 12:06

Nachlese: Round Table am 25.04.2017

Round Table „Frauen, Frieden und Sicherheit: Rolle der Medien“

Am 25. April 2017 fand der erste Round Table des UN Women Nationalkomitee Österreich statt. Als Gäste durften wir Botschafterin Miroslava Beham (Beraterin für Genderfragen, bis März 2017 OSZE Genderbeauftragte) Hanna Herbst (Stv. Chefredakteurin, VICE Austria) und Teresa Havlicek (Online Redaktion WIENERIN.at) , begrüßen.

Botschafterin Beham verwies auf das 15-jährige Jubiläum der UN Resolution 1325 zum Thema Frauen, Frieden und Sicherheit, welches in den Medien kaum Erwähnung fand. Außerdem gibt es in 64 Staaten nationale Aktionspläne zu diesem Thema, das Interesse an der Umsetzung hält sich dabei in Grenzen. Obwohl mehrmals nachgewiesen wurde, dass Friedensverhandlungen erfolgreicher verlaufen und nachhaltiger sind, wenn Frauen daran teilnehmen, werden nach wie vor zu wenig Akzente gesetzt, um Frauen aktiver in Friedensprozesse miteinzubeziehen. Durch den bewussten und unbewussten Ausschluss von Frauen an diesen Verhandlungen, geht einiges an Potential aber auch an verschiedenen Blickwinkeln verloren. Zudem müsse man die Gründe dafür untersuchen, warum Frauen nur in geringem Maße für Positionen im Sicherheitsbereich begeistert werden können. Medien können dabei eine wichtige Rolle spielen, in dem sie ein positives Bild von Frauen im Friedens-und Sicherheitsbereich vermitteln.

Teresa Havlicek gab einen sehr guten Einblick in die Herausforderungen für JournalistInnen. Artikel zum Thema Frauen, Frieden und Sicherheit sind nicht einfach zu publizieren, da das Thema sehr abstrakt ist. Das Ziel sei, viele LeserInnen anzusprechen, dies ist aber nur möglich wenn man das Thema verständlich gestalten kann. Die Kombination von Frauenthemen und abstrakten Themen lässt sich dann besonders schwer veröffentlichen. Zudem seien JournalistInnen heutzutage mit hohem Zeitdruck und Ressourcenmangel konfrontiert, dies macht eine tiefgehende Recherche nahezu unmöglich. Weiters verweist Frau Havlicek auf die Strukturen im Medienwesen: Führungspositionen seien nach wie vor meistens von Männern besetzt, was Auswirkungen auf die Themensetzung in den Medien habe. Frauenpolitischen Themen wird oftmals weniger Aufmerksamkeit geschenkt.

Hanna Herbst bestach mit einer sehr emphatischen Darstellung ihrer eigenen Arbeit und Erfahrungen. Sie betonte wie wichtig es sei, Informationen so zu verpacken, dass sie für LeserInnen auch interessant wirken. Dabei sprach sie auch das Problem an, dass Konflikte und Konfliktregionen für die meisten Menschen zu weit weg sind, um sie interessant erscheinen zu lassen. Vergessen wird dabei, dass Konflikte auch jederzeit und ziemlich rasch räumlich näher kommen können. Auch Frau Herbst betonte die Wichtigkeit abstrakte Berichte so zu vereinfachen, dass sie für LeserInnen interessant und verständlich sind. Oftmals ist es hilfreich, sich zwei bis drei Aspekte eines Themas herauszunehmen und die Geschichte auf diesen Aspekten aufzubauen. Weiters betonte die junge Journalistin, dass es in unserer schnelllebigen Zeit sehr wichtig sei alle unterschiedlichen Kommunikationskanäle zu nutzen. Die klassische Presseaussendung sei für sie gar nicht mehr relevant.

Anschließend gab es die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Es entstand eine interessante Diskussion, die in verschiedene Richtungen ging. Dabei wurde das derzeitige Flüchtlingsthema und frauenspezifische Probleme bei der Flucht angesprochen, aber auch wie man die Zivilgesellschaft besser für frauenpolitische Themen begeistern

könnte. Der Round Table gab zudem ausreichend Möglichkeiten für die Vernetzung mit anderen TeilnehmerInnen.

Zurückblickend war der Abend ein voller Erfolg und wir freuen uns schon auf unseren nächsten Round Table mit der Journalistin und Autorin Petra Ramsauer am 30. Mai 2017, 18.30 Uhr, die u.a. zum Syrienkonflikt sprechen wird.