Am 20.10.2018 war Equal Pay Day, also der Tag, an dem Männer bereits das Einkommen erhalten, für das Frauen noch bis zum Jahresende arbeiten. Dieser Aktionstag inspirierte uns dazu, uns im Rahmen des Round Tables am 23.10.2018 näher mit den Fakten zu geschlechtsspezifischen Ungleichheiten der Einkommen zu befassen. Als Expertin zum Thema Gender Pay Gap konnten wir Mag.Tamara Geisberger gewinnen, sie leitet die Verdienststruktur- und Gender-Statistik bei der Statistik Austria und ist Preisträgerin des Käthe-Leichter-Preises für Geschlechterforschung.

Mag.Geisberger beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Erhebung und Analyse von Löhnen und Gehältern, worunter z.B. auch die Berechnung des EU-Indikators Gender Pay Gap fällt. Durch den erkenntnisreichen Abend moderierte unsere ehrenamtliche Mitarbeiterin Mag.Margarethe Bacher.

Der „Gender Pay Gap“ ist ein Indikator für den Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen, der sich in Österreich zwar von 25,5% (2006) auf 20,1% (2016) verringert hat, im Vergleich mit anderen EU-Staaten aber immer noch zu einem der höchsten innerhalb der Union zählt. Der EU-Indikator wird einheitlich in der gesamten EU anhand der Bruttostundenverdienste in der Privatwirtschaft gemessen. Die Stundenverdienste haben den Vorteil, dass Voll- und Teilzeitbeschäftigte unabhängig von der Arbeitszeit miteinander verglichen werden können. Die Berechnung von geschlechtsspezifischen Lohnunterschieden kann sich aber ebenso auf Monats- oder Jahreseinkommen beziehen oder es können einzelne Gruppen (z.B. Teilzeit- oder Saisonbeschäftigte) ausgeschlossen werden. Welche Betrachtung geeignet ist, hängt sowohl von der Fragestellung als auch von der verfügbaren Datenquelle ab. Zudem ist es aus Sicht der Expertin wichtig, die geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede immer im Kontext zu betrachten.

So haben Frauen in Österreich in den letzten Jahren in Bezug auf Ihren Bildungsstand stark aufgeholt: Bezogen auf die Bildungsabschlüsse 2015/16 wurden 58% der Maturaabschlüsse von Frauen erworben, bei den Fachhochschulabschlüssen waren es 51% und bei den Studienabschlüssen an Universitäten lag der Anteil der Frauen bei 56%. Trotz dieser erfreulichen Tatsache, sind Frauen nach wie vor deutlich seltener in Führungstätigkeiten zu finden als Männer. Bezogen auf die Aufteilung der Erwerbsarbeit bei Paaren mit Kindern ist in Österreich zudem jenes Modell am weitesten verbreitet, wonach eine Person (meist männlich) Vollzeit erwerbstätig ist und die andere (meist weibliche) Person in einem Teilzeitverhältnis beschäftigt ist.

Die wachsende Erwerbsbeteiligung der Frauen ist auch in erster Linie auf den starken Anstieg von Teilzeitbeschäftigungzurückzuführen. Österreich liegt sowohl bezogen auf die Erwerbstätigenquote (68%) als auch auf die Teilzeitquote (48%) der Frauen deutlich über dem Durchschnitt aller 28 EU-Staaten. Als Gründe für Teilzeitbeschäftigung sind in Österreich bei 37% der Frauen Betreuungspflichten für Kinder oder pflegebedürftige Erwachsene ausschlaggebend, bei den Männern ist dies nur bei 4% der Fall. Es stehen also insbesondere Frauen vor der Herausforderung Beruf und Familie zu vereinbaren. Niedrigere Erwerbseinkommen und Versicherungsverläufe, die vor allem durch Kindererziehung Lücken aufweisen, führen dazu, dass auch die Pensionen der Frauen letztlich deutlich unter jenen der Männer liegen.

Untersucht man den Einfluss unterschiedlicher Faktoren auf den Gender Pay Gap, dann zeigt sich, dass die Branche neben dem Beruf zu den wichtigsten Einflussfaktoren zählt. So sind Frauen nach wie vor öfter in schlechter bezahlten Dienstleistungsberufen und in Branchen mit geringeren Verdienstmöglichkeiten tätig. Einen deutlichen Einfluss haben auch das Ausmaß der Beschäftigung, da Teilzeit auch pro Stunde geringer entlohnt wird, sowie die Dauer der Zugehörigkeit zum Unternehmen. Weitere Faktoren sind das Bildungsniveau, das Alter, die Region, die Unternehmensgröße und die Art des Arbeitsvertrages. Anhand der neun genannten Faktoren lassen sich ausgehend von einem Gender Pay Gap von 22,2% für das Jahr 2014 8,6 Prozentpunkte der Einkommensdifferenz erklären, 13,6 Prozentpunkte bleiben dagegen unerklärt.

Weitere Informationen zum Gender Pay Gap finden Sie auf der Homepage der Statistik Austria:

Bleiben Sie auf dem Laufenden!

 

Mit unserem Newsletter informieren wir Sie regelmäßig über aktuelle Veranstaltungen des UN Women Nationalkomitee Österreich. Sie erhalten ebenfalls Updates zu unseren Projekten und Kampagnen rund um das Thema Gleichberechtigung und Empowerment von Frauen und Mädchen.

You have Successfully Subscribed!