Am 07.10.2018 fand in Brasilien der erste Wahlgang der Allgemeinen Brasilianischen Wahl statt, in der nicht nur der zukünftige Präsident, sondern auch das Abgeordnetenhaus und 2/3 des Senats gewählt wurden.

Botschafterin Dr.in Irene Giner-Reichl, Vizepräsidentin des UN Women Nationalkomitee Österreich und seit Juli 2017 österreichische Botschafterin in Brasilien, gab am 16.10.2018 einen detaillierten Überblick über die aktuell extrem aufgeladene und polarisierende politische Stimmung in Brasilien. Unter der Moderation von Mag.a Lilli Gneisz wurde nach dem Vortrag eine lebhafte Diskussion geführt.

13 KandidatInnen hatten sich für das Amt des brasilianischen Präsidenten/ der brasilianischen Präsidentin am 07.10. beworben. Durchgesetzt hatte sich der umstrittene rechtskonservative Jair Bolsonaro (PSL) mit 46 % und Fernando Haddad (PT) mit 29,3 %. In der Stichwahl am 28.10. wird einer der beiden Kandidaten als Präsident Brasiliens gewählt werden.

Frauenpolitisch tritt Bolsonaro, ein ehemaliger Militär, frauenfeindlich und konservativ auf. Diverse Zitate von ihm sind längst über sämtliche Medien verbreitet worden. In Bolsonaros Regierungsplan kommt das Wort „Frau“ ein einziges Mal vor, Frauenprogramme gar nicht. Im Gegensatz zu Fernando Haddad, der für die Arbeiterpartei PT ins Rennen geht und als seine Vizepräsidentin Manuela D’Ávila nominierte. Frauenförderung, der Ausbau von Schutzstellen für Frauen, Pläne für eine bessere soziale Sicherung von Frauen und der Ausbau von Frauenrechten in Bezug auf Sexualität und Verhütung, sind Kernthemen Haddads.

2018 wurden wie in der Wahl zuvor nur 7 Senatorinnen in den Senat gewählt, aber 74 Senatoren. Im Abgeordnetenhaus hingegen konnten weibliche Abgeordnete einen leichten Anstieg (15 %) erringen. Laut Statistiken sind (sexuelle) Gewaltdelikte an Frauen und Femizide in Brasilien alltäglich, auch die LGBTQ Community ist davon betroffen.

Bot.in Giner-Reichl gab auch Einblicke in die Wirtschaft Brasiliens, geografische Spezifika des fünft größten Staats der Welt und erzählte über das alltägliche Leben in Brasilien. Mangelnde Infrastruktur wie ein veraltetes Straßennetz, welches für den täglichen Verkehr nicht ausreicht, dringend notwendige Telefon- und Internetabdeckung und kein nennenswertes Eisenbahnnetz erschweren den brasilianischen Alltag. Auch im Bildungssektor besteht Bedarf nach Reformen. Obwohl Brasilien sehr gute öffentliche Universitäten hat, für die keine Studiengebühren bezahlt werden müssen, bleiben Kinder aus ärmeren Familien außen vor. Investitionen chinesischer Firmen (und Landverkäufe) nehmen derzeit immer mehr zu, auch die eventuell politische Rolle der brasilianischen Armee wäre unter Bolsonaro unklar.

Positiv ist derzeit der starke Zuwachs der brasilianischen Frauenbewegung #Ele Não (#Er Nicht), die sich Ende September formierte und zum Protest gegen Bolsonaro aufruft. Auch prominente internationale Künstler wie Dua Lipa, Imagine Dragons, Kehlani, Diplo, Nicole Scherzinger, Pabllo Vittar und Shangela zeigten sich solidarisch mit der Bewegung.

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