Als Vortragende konnten wir die Leiterin der Abt. Verteidigungspolitik im Bundesministerium für Landesverteidigung, Silvia Angerbauer, MA BA und Dr.in Judith Kohlenberger von der WU Wien und dem Wittgenstein Centre for Demography and Global Human Capital begrüßen.

Die VN Sicherheitsrat-Resolution 1325 wurde am 31. Oktober 2000 vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedet. Sie hebt die besonderen Auswirkungen von Konflikten auf Frauen hervor und hält Mitgliedstaaten dazu an sicherzustellen, dass Frauen auf allen Ebenen in die Konfliktprävention und Friedensbemühungen einbezogen werden.

Mehr als die Hälfte der weltweit Geflüchteten und von bewaffneten Konflikten Betroffene sind Frauen. Der Großteil von SyrerInnen flüchtet in umliegende Nachbarländer wie in die Türkei, nach Jordanien oder in den Libanon. Die starke Migrationsbewegung nach Europa in den Jahren 2015/2016 hat die Frage aufgeworfen, inwieweit es neue Maßnahmen in den Nationalen Aktionsplänen zu 1325 bräuchte und welche Handlungsspielräume es in den Aufnahmeländern gibt, um Flüchtlinge und Migrantinnen in Friedensbemühungen, Integrationsprozesse und in die Konfliktvermeidung einzubinden.

Silvia Angerbauer gibt einen chronologischen Überblick über die wichtigsten Folgebeschlüsse zur VN-SR Resolution 1325 von 2001 bis 2015. Sie verweist auf eine globale Studie zur „Agenda 1325“ von UN Women in der festgestellt wird, dass Staaten mit höherem Maß an politischer, sozialer und ökonomischer Geschlechtergerechtigkeit weniger Gewalt gegen andere Staaten anwenden. Zudem erhöht eine Beteiligung von Frauen an Friedensverhandlungen die Chancen auf eine Einigung und eine erfolgreiche Umsetzung. Daher ist es essentiell, dass Frauen auf allen Ebenen der Stabilisierung mitwirken können und dafür ihre Mitwirkungsmöglichkeiten in diesen Bereichen gestärkt werden.

Weiters verweist Angerbauer darauf, dass die VN-SR Resolution 1325 implizit die besondere Stellung von Frauen in Fluchtsituationen anspricht. Das im Kontext der Resolution 1325 verabschiedete „Presidential Statement“ vom 28. Oktober 2014 fordert u.a. die VN-Mitgliedsstaaten explizit auf:

  • Maßnahmen zu ergreifen, um Gewalt an Flüchtlings- und binnenvertriebenen Frauen und Mädchen zu verhindern,
  • sinnvolle Mitwirkung weiblicher Flüchtlinge an Ausarbeitung, Durchführung, Überwachung und Evaluierung von politischen Maßnahmen und Programmen für Flüchtlings- und binnenvertriebene Frauen und Mädchen in allen Phasen der Vertreibung zu gewährleisten,
  •   systematisch, die nach Geschlecht und Alter aufgeschlüsselten Daten zu erheben, zu analysieren und dafür zu verwenden, die besonderen Bedürfnisse und  Fähigkeiten von Frauen zu bewerten und auf sinnvolle Weise zu messen, inwieweit Wiederherstellungsprogramme Frauen, Männern, Mädchen und Jungen nutzen.

Trotz dieses Presidential Statements sind Frauen auf der Flucht im Kontext Women-Peace-Security (WPS) Agenda ein Randthema. Wenn Frauen aus den Konfliktregionen fliehen, scheinen sie von der westlichen WPS Agenda zu verschwinden. Es dürfte eine fehlende Verbindung zwischen WPS und Frauen, die Asyl in Europa suchen, in der politischen Debatte zu bestehen. Damit fehlen auch 1325-bezogene Maßnahmen im Bereich der Asylpolitik.

Judith Kohlenberger präsentiert die Ergebnisse der Studie „Human Capital, Values and Attitudes of Persons Seeking Refuge in Austria in 2015“. Im Rahmen der Untersuchungen im Jahr 2015 wurden quantitative Primärdatenerhebungen unter syrischen, irakischen und afghanischen Asylwerbenden und Asylberechtigten in Österreich durchgeführt. Die Beobachtungen erfolgen vom Ankommen der Flüchtenden bis zu ersten Integrationserfolgen und der Teilhabe.

Bildung als relevanter Faktor

Bildung ist für die Integration und Einbindung essentiell, da eine große Bildungsvererbung in migrantischen Familien festzustellen ist. Bildung wird vor allem von Müttern an ihre Kinder weitergegeben und bestärkt Frauen in ihrer Handlungsautonomie und Selbstbestimmung. Um für Bildung und Berufschancen der Frauen zu sorgen, müssen jedoch Rahmenbedingungen geschaffen werden, die sich beispielsweise auf die Kinderbetreuung, Beratung oder passende Qualifizierungsangebote beziehen.

Weiters ist zu erwähnen, dass Frauen einen Großteil der Integrationsarbeit leisten. Dabei sind sowohl migrantische Frauen als auch Frauen der Aufnahmegesellschaft aktiv. Jedoch sind diese bei der Ausarbeitung nationaler und internationaler Integrationspläne oder Asylstrategien kaum präsent. Ein diesbezüglich klares Missverständnis zwischen Basis und Spitze bedarf auch in diesem Fall ein Überdenken strategischer Vorgehensweisen.

Familienzusammenführung als Frauenthema

In vielen Fällen tritt nur eine Person pro Familie, meistens der Mann, die gefährliche Reise nach Europa an. Somit liegt das Familienzusammenführungspotential bei Frauen und Kindern. Laut der erwähnten Studie des Wittgenstein Centres an der WU ist pro 100 Asylwerbender mit maximal 38 weiteren Familienmitgliedern zu rechnen, die für die Zusammenführung in Frage kommen. Davon sind 24 Kinder, 12 Frauen und nur zwei Männer. Frauen flüchten auch häufiger mit ihren Kindern als Männer. Der Ausbau legaler Familienzusammenführungen würde illegalen Wegen der Migration entgegenwirken und besonders den vulnerablen Gruppen, wie Frauen und Kindern, zugutekommen.

Die Einbindung in Migrantenselbstorganisationen

Zu den integrationsfördernden Maßnahmen zählt die Beteiligung und Aktivierung von geflüchteten Menschen im Sinne von Empowerment. Die Beteiligung ist in vielfältiger Form möglich: z.B. in Selbstvertretungsgremien, durch die Einbindung von Kompetenzen und Erfahrungen etwa beim Einsatz als Sprachmittler/in, als kultur- und sprachsensible Multiplikator/innen oder bei der Gestaltung von kulturellem Austausch. Wichtig ist, auf die Sichtbarkeit und Repräsentation geflüchteter Frauen zu achten, da sie in vielen Fällen als Mediatorinnen fungieren.

Resumee

Die Erkenntnisse aus den Studien zu Migration und Humankapital des Wittgenstein Centre, die Inhalte der VN-SR Resolution 1325 und all ihrer Folgebeschlüssen sowie die Ergebnisse der Studie zur Agenda 1325 haben zu einer angeregten Diskussion geführt. Es wurde überlegt, ob und welche Maßnahmen im Nationalen Aktionsplan 1325 aufgenommen werden könnten, die weibliche Flüchtlinge und MigrantInnen aus Konfliktländern in die Umsetzung hier in Österreich einbinden. Es wurde der Vorsatz gefasst, dieses Thema weiter zu verfolgen.

Links:

Studie: Human Capital, Values, and Attitudes of Persons Seeking Refuge in Austria in 2015 

The WPS agenda and The ‘Refugee CRiSiS’: MiSSing Connections and missed opportunities in Europe, LES Centre for WPS   

Bleiben Sie auf dem Laufenden!

 

Mit unserem Newsletter informieren wir Sie regelmäßig über aktuelle Veranstaltungen des UN Women Nationalkomitee Österreich. Sie erhalten ebenfalls Updates zu unseren Projekten und Kampagnen rund um das Thema Gleichberechtigung und Empowerment von Frauen und Mädchen.

You have Successfully Subscribed!