Anlässlich der „16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen“ fand am 27.11. zum Thema „Menschenhandel und Zwangsehen“  ein Round Table des UN Women Nationalkomitees Österreich statt.

Bei diesem gemeinsam mit dem VAÖ organisierten Event informierte Sektionsleiterin Bot.inMag.a Dr.in Elisabeth Tichy-Fisslberger, Vorsitzende der Task Force und Nationale Koordinatorin zur Bekämpfung des Menschenhandels aus dem Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres, die zahlreich erschienenen  BesucherInnen über dieses leider nach wie vor sehr aktuelle Thema.

Menschenhandel und Zwangsehen sind derzeit auch medial sehr präsent. Erst am 20.11.2017 berichtete der Standard über neu entstehende „Sklavenmärkte“ in Libyen, wo zwei afrikanische Opfer von Menschenhandel für umgerechnet 730 € „zum Verkauf angeboten“ wurden.

Berichten der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zufolge dürften derzeit etwa 700.000 Menschen in Libyen gestrandet sein, die aufgrund ihrer unsicheren Lage besonders leicht Opfer von Menschenhändlern werden.  Armut sowie eine politisch unsichere Lage verschärfen Menschenhandel und Zwangsehen. Aufgrund von Konflikten und zusätzlichen vermehrt auftretenden klimatischen Veränderungen werden viele Menschen aus ärmeren Teilen der Welt mangels verfügbarer, ein Überleben sichernder Ressourcen zur Migration aus ihren Heimatländern gezwungen.

Ein Rückgang der Zahl der Opfer von Menschenhandel könne vor allem durch eine Verbesserung der wirtschaftlich Lage vor Ort, aber auch durch eine intensivere internationale Kooperation von Polizeiorganen und NGOs (größeres Aufklärungsquote) erreicht werden.

Opfer des Menschenhandels kommen meist aus einer ärmeren sozialen Schicht und dem unteren Bildungsniveau und gehören damit zu den verletzlichsten Gruppen. Besonderes beleuchtet wurde in diesem Zusammenhang die Situation von Frauen, die zu den verletzlichsten Gruppen zählen, wobei um die 75 -80% der weiblichen Opfer von Menschenhandel zu Prostitution gezwungen werden, der Rest zu Zwangsarbeit in der Pflege oder Landwirtschaft; auch Organhandel dürfte eine Rolle spielen.

Strafrechtliche Maßnahmen gegen Menschenhandel wurden ebenfalls angesprochen – das Palermo-Protokoll von 2000, die Europaratskonvention 2006  sowie eine 2013 in Kraft getretene EU-Richtlinie, die zu einer deutlichen Verschärfung unseres Strafgesetzes beigetragen haben.

Zweiter thematischer Schwerpunkt des Round Table waren die – fast ausschließlich Frauen betreffenden – Zwangsehen. Die Vortragende wies darauf hin, dass das Außenministerium nicht aktiv nach Opfern von Zwangsehen suchen, sondern über diese Fälle durch Bekannte, Verwandte oder Freunde der Opfer erfährt und sich dann einschalten kann.

Frauen werden zu Opfern, meist aufgrund der überkommenen Vorstellung, dass nur eine Ehe Versorgung, Sicherheit und gesellschaftlichen Status (für diese Frauen, aber oft auch deren Familien) mit sich brächte.

Nur äußerst selten zeigen betroffene Frauen die eigenen Familien an. Sektionsleiterin Tichy-Fisslberger betonte, dass ein juristisches Vorgehen gegen eigene Familienmitglieder eine unvorstellbare mentale Stärke der weiblichen Opfer von Zwangsehen erfordert, oft verbunden mit der Bereitschaft, sämtliche Brücken zur eigenen Familie abzureißen, den Kontakt zu FreundInnen abzubrechen und nur auf kurze Zeit mit Hilfe von NGOs zu überleben, dann aber das eigene Leben alleine meistern zu müssen. Es ist dies ein Weg, den nur die wenigsten Frauen beschreiten (können).

Ganz im Sinne der Round Table folgte dem Vortrag eine sehr angeregte Diskussion.

Nähere Informationen zu Menschenhandel – „der Sklaverei des 21. Jahrhunderts“ finden Sie hier.

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